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Von der Taille nach oben

von der Taille nach oben

Letzte Woche habe ich erfolgreich zwei Reifen am Körper „gesplittet“ und darauf von Sabrina diese Frage bekommen:

Das war für mich auch monatelang ein Rätsel und eines dieser Dinge, von denen ich überzeugt war, dass ich das nie lernen werde.

Auf youtube gibt’s tonnenweise Videos, die immer ganz einfach aussehen und logisch klingen, zum Beispiel das hier von Deanne Love.

Aber gegangen ist bei mir trotzdem nix.

Hier die Tipps, durch die es bei mir dann doch relativ schnell geklappt hat:

Ich habe einen riesigen Reifen genommen

Obwohl ich zu dieser Zeit meistens mit meinen 90 cm-Reifen geübt habe, habe ich fürs Hoopen an Brust – und später der Schulter – glücklicherweise zu meinem 120 cm Reifen gegriffen.

zwei verschiedene Reifen

Ich habe ja schon öfter betont, dass ich Reifen aller Größen und Materialien habe, was sich extrem beim Lernen auszahlt: Wenn ich was Neues übe, probiere ich verschiedene Größen und Gewichte aus. Fast immer gehts mit einer bestimmten Sorte Reifen am Anfang so viel leichter!

Wenn der Körper die Bewegung dann erstmal versteht, ist es sehr viel einfacher, sich auf die gewohnte Reifengröße zu traineren. Das braucht meistens seine Zeit, gerade wenn man die Reifengröße reduziert.

Den Hoop von der Taille bis über die Brust zu bekommen, habe ich mit dem riesigen Reifen recht schnell gekonnt, aber mit den kleineren leichteren Reifen nochmal ziemlich lange geübt, bis das immer geklappt hat.

So habe ichs geschafft:

Beim Hoopen ist der Körper gefordert, zu verstehen, was man von ihm will. Darum lernt man am schnellsten, wenn man nicht den Ehrgeiz hat, von Null auf Hundert alles zu können, sondern den Körper darauf vorbereitet, indem man die Sache in Einzelteile aufbricht.

Ich übe oft Ewigkeiten nur eine bestimmte Bewegung, bis die wirklich sitzt. Natürlich habe ich verschiedene Sachen in der Mache – manche Teilaspekte übe ich parallel und manches geht erst, wenn etwas davor geschafft ist.

Beim Reifen-nach-oben-bekommen waren das:

Mit geschlossenen Beinen hoopen lernen

Die einen wippen von vorn nach hinten, die anderen – wie ich – bevorzugen die seitliche Grundbewegung, doch als Anfänger lernt man meistens mit leicht ausgestellten Beinen, und von da geht dann sehr viel Bewegung aus. Um mehr mit der Körpermitte alleine zu „pushen“ und die nötigen Bewegungen geringer zu machen [je besser man wird, desto feiner sind die Anstöße, die man dem Reifen gibt], habe ich das Hoopen mit geschlossenen Beinen trainiert. Das ist anfangs echt schwer, vor allem, wenn man zusätzlich die Arme hebt oder den Rumpf dreht und sich dadurch die Körperform für den Hoop verändert.

Nur mal den Hoop von der Taille bis unter die Brust bringen

Dann habe ich mir nur den Abschnitt am Bauch vorgenommen: die paar Zentimeter am unteren Rumpf. Gezielt ein paar Zentimeter runter zur Hüfte bringen und wieder hoch. Gezielt ein paar Zentimeter raufbringen, bis unter die Brust.

Das war relativ einfach, weil man als Anfänger an der Körpermitte eh am meisten übt, da also mehr Kontrolle hat. Es ist also leichter, zu versuchen, direkt über oder unter dem Reifen eine Bewegung zu machen und zu merken „ah, jetzt geht der Reifen mit“. Selbst wenns nur 1 cm ist!

Auch hier machts die Wiederholfrequenz. Dem Körper die Chance zu geben, zu spüren, wo ist der Hoop und wo geht der jetzt hin? – Darum ist es so nützlich, hier gleichzeitig die Hüfte mitzuüben, denn es ist recht einfach, die Hüfte zu kreisen und zu merken „ah, jetzt geht der Reifen etwas tiefer“ und dann wieder an der Taille zu bewegen und zu spüren „jetzt geht er rauf“.

Erst als ich totale Kontrolle über die „Bauch-Länge“ hatte, bin ich höher. Davor bzw. parallel habe ich aber überhaupt erst mal gelernt, den Reifen über der Brust zu kreisen. Denn was nützt das Hochbringen, wenn ich gar nicht in der Lage bin, ihn oben zu halten?

Chest Hooping lernen

Ebenfalls mit dem großen Reifen habe ich das Chest Hooping gelernt. Das übrigens gar nichts damit zu tun hat, ob man eine große Oberweite hat oder eine kleine:

Den Hoop über die Brust bekommen

Als ich das Chesthooping soweit konnte (zumindest mehrere Umdrehungen), habe ich geübt, den Reifen nach oben zu bekommen.

Den Bauch-Abschnitt hatte ich jetzt ja schon unter Kontrolle, Chest Hooping klappte prinzipiell, also gings nur noch um den „Sprung“ über die Brust. Und das ging ebenfalls erstaunlich schnell, und zwar so:

  • Wirklich übertrieben den Oberkörper bewegen (wie in beiden Videos gezeigt wird). Das gibt sich dann mit der Zeit, sobald der Körper prinzipiell lernt, wie er sich bewegen muss, wenn der Reifen in bestimmte Körperabschnitte kommt.
  • Aufrecht bleiben! Ja, auch ich habe mich anfangs stärker vorgebeugt, weil ich dachte, ich muss dem Reifen entgegenkommen, und ich glaube, das macht man einfach automatisch. Aber wenn man eine schlechte Haltung nach vorne hat, sabotiert man sich alles. Darum immer schauen, dass es aufrecht bleibt und wenn anfangs der Impuls ist, den Reifen ein wenig nach vorne aufzulupfen, dann gleich wieder schön gerade hinstellen.

Das „Negativ“ üben

Fast immer ist es einfacher, von oben nach unten zu üben. Darum unbedingt da einen Fokus drauf legen. Also wenn das Chest Hooping einige Runden gut klappt, dann den Reifen etwas absenken auf Direkt-unter-der-Brust und dann ein weiteres Stück runter bis zur Taille.

Meistens fällt er – wie beim Beinhooping – an bestimmten Stellen ein paar Zentimeter runter. Das macht nichts: Dann einfach da weiterkreisen, wo er landet, und gucken, obs anschließend wieder ein paar Zentimeter nach oben geht, wieder runter und immer wieder die Kontrolle an verschiedenen Leveln behalten.

Anschließend den Reifen in die Hand nehmen, wieder über der Brust ansetzen und erneut probieren, dass es gesteuert nach unten geht.

Je öfter du das machst, desto mehr checkt er Körper, was er tun soll, und plötzlich kannst du den Reifen auf einem Level halten, wo vorher „freier Fall“ war.

Das Nach-unten-Lernen erleichtert extrem den Weg nach oben! Denn jetzt weiß der Körper, an welcher Ebene er sich wie bewegen muss, um den Reifen zu übernehmen und dort zu halten.

In den Spiegel schauen oder sich aufnehmen

An einer Stelle meines Lernprozesses war ich etwas frustriert, weil ich wusste, dass ich alles richtig mache, es aber trotzdem nicht recht klappen wollte.

Ich habe mich dann mal vor den Spiegel gestellt und zu meinem Entsetzen gesehen, dass ich von mir völlig unbemerkt total mit der Körpermitte rumgewackelt habe.

Deanne Love sagt in ihren Videos manchmal „Der Hoop geht dahin, wo die Party ist.“ 🙂

Aber ich habe gar nicht gemerkt, dass ich zweistöckige Party gemacht habe!

Da habe ich also fleißig geübt, den Reifen nach oben zu bekommen und meinem Reifen gemischte Signale gegeben: Ich wollte ihn hochlocken und habe automatisch mit Taille und Hüfte weitergewackelt, so dass er beschlossen hat, er bleibt einfach da, wo er ist.

Mein Körper war durchs Waisthooping so gewohnt, sich da unten zu bewegen, dass er nicht aufhören konnte! Mit dem Kopf konnte ich es nicht abstellen.

Also habe ich einen Tag lang zwischendurch einige Minuten geübt, den Reifen nach oben zu dirigieren und dabei die Beine ganz fest in den Boden gestemmt + die Knie durchgedrückt. So hoopt man natürlich nicht, außerdem ist es recht krampfig und ganz sicher nicht gesund. Aber für ein paar Minuten habe ich dadurch einige Male am Tag meinen Unterkörper sozusagen ausgeschaltet.

Und da ist der Knoten geplatzt. Der Körper hat verstanden, was er tun und lassen soll und buchstäblich von heute auf morgen konnte ich richtig trainieren, weil die Taille endlich Ruhe gab, wenn der Hoop nach oben sollte.

Die kleinen Fortschritte wahrnehmen und darauf aufbauen

Extrem wichtig ist es, die kleinen Fortschritte wahrzunehmen! Ich habe fast keine komplexere Bewegung jemals in einem Rutsch gelernt – und ich war bis auf wenige Male nie frustriert, weil ich spüre „jetzt geht es einen Zentimeter besser als bisher“ oder „juhu, das fühlt sich ein wenig lockerer an“ oder „da brauche ich gar nicht mehr so viel Kraft einzusetzen“ oder „der eine Teil ist jetzt schon voll geschmeidig geworden“ … auch wenn alles andere noch abgehackt oder gar nicht geht.

Beim Hoopen sind fast ständig Fortschritte wahrnehmbar – sofern du dem Körper Wiederholungen schenkst.

Viel Spaß beim Üben!

 

Veröffentlicht von

Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.