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Üben mit Spiegel

Ich übe viel drinnen, habe zum Glück hier unterm Dach an einer Stelle eine hohe, spitz zulaufende Decke. Dadurch kann ich bequem über dem Kopf hoppen und sogar kleine Würfe machen. Doch auch, wenn man das nicht hat, lohnt es sich, einen großen Spiegel anzubringen.

Bei mir ist es die Do-it-yourself-Version mit Spiegelfliesen.

Wenn ich „yourself“ sage, meine ich nicht myself! Ich bin nämlich ein lausiger Bastler. Der @finnsland hat mir eine professionelle Spiegelfliesenwand geplant: Die Spanplatte ist dreiteilig und so angebracht, dass sie zerlegt werden kann. Das heißt, die Fliesen überlappen, ohne auf der nächsten Platte fest angeklebt zu sein. Beim Hinbauen war ich ebenfalls nur Handlanger. Allerdings ist das wirklich einfach und wer sich nicht so anstellt wie ich, kann das wunderbar selbst machen!

Meine Spiegelfläche ist ca. 180 cm hoch und 150 cm breit.

Damit ist das Üben sehr viel ergiebiger, denn ich trainiere gleichzeitig mehreres mit:

Haltung + Blick

Es ist nicht nur schöner anzusehen: Eine gute, aufrechte Haltung ist Voraussetzung, damit das Hoopen überhaupt klappt. Dabei spielt der Blick natürlich eine große Rolle: Denn ob Beinhooping oder Off-Body-Tricks: oft ist man versucht, unverwandt nach unten oder auf den Reifen zu schauen.

Der Blick in den Spiegel macht aufmerksamer für eine gute Haltung und er erleichtert es, geradeaus zu schauen, weil ich dennoch im Spiegel sehen kann, wo sich der Reifen gerade befindet.

Die Ebenen („Planes“)

Ich hatte es woanders schon erwähnt: Beim Off-Body-Hooping, besonders mit zwei Reifen gleichzeitig, ist es sehr wichtig, ordentliche Ebenen einzuhalten:

  • Es gibt die Wall-Plans: vor und hinter einem,
  • die Wheel-Planes: wenn der Hoop seitlich neben dem Körper kreist,
  • und Decke- bzw. Boden-Plane: der Reifen ist parallel zum Boden (z. B. über dem Kopf).

Mit dem Spiegel fällt es gerade bei den seitlichen Ebenen viel leichter, aufzupassen dass alles gerade ist und bleibt. Außerdem bekommt man ein Gefühl dafür, welche Bewegung hübscher/effektvoller wirkt, wenn man sie seitlich zum Publikum ausführt. Womit wir bei den Linien sind:

Schöne Linien

Beim Tanzen – besonders mit einem „Werkzeug“ wie einem oder mehreren Reifen – sind die Linien extrem wichtig. Ein gutes Beispiel, das ich vom Poledancen noch eingetrichtert habe, sind die gestreckten Zehen. Die sorgen beim Hoopen ebenfalls für schönere Linien. Doch ganz generell gilt: Im Spiegel sehe ich viel mehr, wie die Bewegungen des Hoops [für sich gesehen] und im Zusammenspiel mit meinem Körper wirken.

Durch den Spiegel bekomme ich ein Gefühl dafür, wie viel lebendiger oder sexier oder einfach hübscher ein Bewegungsablauf wird, wenn Arme/Beine/der ganze Körper bestimmte Formen einnehmen. Das kann bedeuten, dass ich den Gegenarm, der gerade nichts zu tun hat, einsetze oder Pausen einlege, um eine Pose wirken zu lassen.

Mimik + Präsenz

Das alles führt mich zu Präsenz. Wenn man, wie ich, bald mal eigene Hoopdance-Videos veröffentlichen und später vor Publikum auftreten will, brauchts Bühnenpräsenz. Ein wichtiger Aspekt – neben allem, was ich schon genannt habe -, ist die Mimik!

Die meisten Leute haben beim Lernen ein Konzentrationsgesicht. Das ist in vielen Hoopdance-Videos zu sehen, die eigentlich wunderschön sind, aber keinen rechten Spaß machen, weil die Person so verkniffen vor sich hinstarrt, als würde sie gerade gezwungen.

Noch schlimmer sind die dran, die ein resting bitch face haben [Willkommen im Club!]. Das ist eine exzellente Voraussetzung, wenn man Dominahooper werden will. Doch ich achte durch meinen Spiegel schon jetzt darauf, dass ich mit meiner Mimik freundlicher rüberkomme und offen einen Draht zum Publikum schaffe.

Gar nicht so leicht! Präsenz will geübt werden.

Der Spiegel ist ein wunderbares Gegenüber

  • Er macht aufmerksam für das, was ich gerade tue: Ich kann korrigieren. Ich kann selbst davon beeindruckt sein, was schon echt toll aussieht und es verinnerlichen.
  • Er korrigiert mich: Wenn ich, etwa bei den Level-Drills, sehe, an welchem Körperteil mein Hoopen noch Schlagseite hat, wenn ich krumm und schief dastehe oder ich mich mal wieder besonders grantig anschaue.
  • Er macht gelöster, denn ich lache und lockere mich mehr, wenn ich während des Trainierens merke, dass ich gerade angespannt bin oder böse schaue. Anspannung aller Art strapaziert die Muskeln und weil alles zusammenhängt, setzt sich da eine Kettenreaktion im Körper fort.
  • Er ist mir ein Ersatz fürs spätere Publikum (ob per Kamera oder in echt): Indem ich für ein Gegenüber tanze, bin ich mehr dem Außen zugewandt.

Das Üben mit Spiegel macht zudem mit der Zeit automatisch Bewegungen sicherer und flexibler. Weil es eben nicht so ist, dass ich dauernd auf den Reifen starre, sondern auch den Peripherie-Blick nutze, kann ich viel versierter den Reifen manipulieren – oder retten.

 

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Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.