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Tosses

werfen

Fangen konnte ich noch nie. Meine Auge-Hand-Koordination bei fliegenden Objekten ist wohl empfindlich von meinem Sehen her gestört: Ohne ins Detail zu gehen, habe ich vor allem die Besonderheit, dass meine Augen nicht zusammen schauen, sondern separat. Ich kann daher auch kein 3D wahrnehmen. Bleibt alles platt.

Als Kind habe ich meinen Bruder verrückt gemacht: Beim Frisbee habe ich teilweise einen halben Meter daneben in die Luft gegriffen. Federball ging, wenn der Ball direkt von oben kam, so dass ich ihn durchs Netz des Schlägers anvisieren konnte. Fußbälle gingen meistens auch nicht [wobei  erschwerend das Ducken mit zugekniffenen Augen dazu kam].

Alle Spiel- und Sportarten, bei denen es gilt, irgendwas zu fangen, waren also entweder unmöglich oder haben schlicht keinen Spaß gemacht.

Mei.

Da es sich gut leben lässt, wenn man nicht gut fangen kann, war das kein Hindernis. Außer, dass ich mich öfter mal nach etwas bücken musste. Doch ich wusste einfach: Fangen kann ich einfach nicht.

Bis zum Hooping! Kurioserweise kann ich Reifen exzellent fangen!

Tosses sind vielfältig + sehen spektakulär aus

Die meisten Hoop Tutorials sind übrigens auf Englisch, darum bin ich den Jargon so gewöhnt. Sogar viele der deutschen Tutorials nutzen die englischen Begriffe, weil sie sich etabliert haben. 

Beim Hoopdance kannst du praktisch alles machen – das Werfen sieht nicht nur super aus,

  • es macht das Tanzen gleich viel dynamischer,
  • es setzt Akzente zur Musik,
  • es erlaubt, den Reifen von einer Hand in die andere zu bringen,
  • und vor allem, ihn gezielt dahin zu manövrieren, wo man ihn haben will.

So kann man den Reifen steil nach oben werfen und mit der gleichen oder der anderen Hand fangen. Oder man wirft nur minimal nach oben, um den Griff zu wechseln. Oder man wirft ihn unterm Arm durch, um sich zu drehen oder ihn einmal über den Körper zu bringen. Oder man wirft ihn nach oben und fängt ihn, wenn er überm Körper gelandet ist, so dass es on body weitergehen kann. Und und und …

Das Werfen und Fangen hat mich auf den ersten Blick fasziniert. Auch hier spielt die Technik wieder eine Rolle. Als ich es zum ersten Mal ausgiebig geübt habe, war das ganz schön schmerzhaft: Zum einen hatte ich damals noch einen recht schweren, großen Reifen, der  nicht so gut für off body geeignet ist. Zum anderen stimmt anfangs die Technik nicht richtig: Ich habe immer gefangen, indem ich ins große Loch gegriffen habe. Das hat dazu geführt, dass der Reifen, der durchs Hochwerfen beim Fallen eine gute Geschwindigkeit drauf hatte, ungebremst auf meinen Unterarm geknallt ist.

Tatsächlich nimmt man den Reifen in seiner Drehbewegung sozusagen am Rand „ab“, gibt ihm also die Gelegenheit, sich um die Hand einfach weiterzudrehen – und schon wird das Ganze sehr flüssig und sanft. Das kriegt man schnell raus, und es ist ein tolles Gefühl.

Das Fangen ist eine relativ einfache Angelegenheit.

Das Werfen ist die eigentliche Kunst, denn je nachdem, wo und wie genau man loslässt, fliegt der Reifen in verschiedene Richtungen. Was die Werferei noch toller werden lässt, denn so lassen sich noch spektakulärere Sachen machen.

Das Werfen kann ich alleine leider nicht gut filmen, weil ich sonst meine Kamera draußen unbewacht weiter von mir wegstellen müsste. Sonst hätte ich grad mal selbst ein paar Tosses gezeigt.

Hier ein paar anspruchsvollere Beispiele:

Was beim Üben viel passiert, besonders wenn der Reifen über den Körper fallen soll: Man haut in sich auf den Kopf und in die Fresse. Ich habe schon einige Male draußen beim Üben auf Nasenbluten gecheckt, hatte diverse Beulen und einmal tagelang einen fiesen blauen Fleck zwischen den Augen. Autsch.

 

Veröffentlicht von

Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.