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Rahmenbedingungen beim Üben

Wie gut ich übe, hängt u. a. von äußeren Umständen ab. Das ist draußen oft eine besondere Herausforderung, weil Menschen – und das Wetter – mitunter reinfunken.

Zum draußen Üben habe ich vor zwei Jahren bereits ein Video gemacht: Was mich nicht stört, ist, wenn Leute zuschauen oder Hunde mir eine begeisterte Stippvisite abstatten. Was mich sehr wohl beeinträchtigt …

Mein Erzfeind: der Wind

Ich hasse Wind! Immer schon. Auch wenn ich nur so draußen bin: Der „blasende Ton“ nervt mich, Böen regen mich auf und dass mir ständig die Haare ins Gesicht oder die Kapuze vom Kopf geweht wird.

Ganz besonders hasse ich Wind beim Üben, denn die leichteren Requisiten, wie Jonglierkeulen oder die Hoops, verreißt es total. Erst gestern war wieder das schönste Sommerwetter, aber ständig gschissene Windböen.

Was ebenfalls nicht geht: Wenn es kurz vorher geregnet hat und der Boden noch feucht ist. Alles, was runterfällt, wie Reifen oder Jonglierbälle, wird sofort total nass – da reicht schon Morgentau. Das Einradfahren kann ich dann ebenfalls knicken, denn mit nassen Sohlen rutsche ich von den Pedalen.

Dumme Leute

Ich kann es wirklich nicht anders beschreiben: Mit „dummen Leuten“ meine ich die Idioten, die partout nicht mit etwas Abstand an mir vorbeigehen können, sondern direkt auf mich zuhalten.

Meistens übe ich auf einer weitläufigen Grünfläche zwischen Bürohäusern: Selbst, wenn ich mitten in der Wiese stehe und nach allen Richtungen viel Platz ist, gibt es immer Pappenheimer, die schon von weitem geradewegs auf mich zuhalten. Gerne zu zweit oder viert nebeneinander, wie so ein Panzer. Einmal sind fünf Leute in Businessklamotten „in Kette“ stur geradeaus gelaufen – von hinten herkommend. Ich konnte gerade noch zur Seite gehen, als sie über meine Tasche gewalzt sind.

Doppelt blöd ist das, weil ich manchmal Dinge übe, die weh tun können. Die Leute sehen schon aus der Ferne, dass ich Dinge in die Luft werfe und runterfallen lasse. Wenn da abrupt wer von hinten kommt oder sich direkt an mir vorbeidrängelt, kriegt er wenns blöd läuft einen Holzstab an den Kopf.

So ein Verhalten werde ich nie verstehen! Aber ich kenne es von früher, als ich im Englischen Garten eine Draußensportstunde mitgemacht habe. Da waren wir am Rand, in einem Grünstreifen neben dem Weg, umgeben von viel Platz und es gab immer Spaziergeher, die extra eine Kurve machen mussten, um partout über alle unsere am Boden ausgelegten Matten drüberzutrampeln und sich durch die kleine Sportgruppe durchzudrängeln.

Klar: Es sind Ausnahmen. Die meisten Leute sind nicht so. Doch in fast jeder Trainingseinheit ist mindestens einer dieser Pappenheimer dabei.

Leute, die Geräusche machen

Ich bin ziemlich sicher, dass ich an Misophonie leide: Geräuschinterolanz, Hass auf bestimmte Töne. Damit ist nicht gemeint, dass ein bestimmter Ton einfach ein wenig nervt oder es unbedingt laute Geräusche sein müssen. Sondern es ist wirklich ein regelrechter Hass, eine innere Aggressivität von wahnsinniger Wucht, die natürlich die Konzentration und Ausgeglichenheit zunichte macht, die es beim Üben braucht.

Wer diese heftige innere Wirkung noch nie erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie sich ein eigentlich harmloses, sich ständig wiederholendes Geräusch, etwa ein geprellter Ball, auswirkt.

Was mich ebenfalls instant aggressiv macht, sind laut gestellte Handys: Wenn jemand mit seinem Hund spazieren geht und nebenbei endlos lange telefoniert, natürlich den Gesprächspartner auf laut gestellt hat. Die Akustik zwischen den Bürogebäuden ist brutal gut, das ist ein  unvorstellbar nervtötendes Rumgeplärre. Gern genommen auch die Leute, die sich in die Natur setzen, um Videos laut anzuschauen. Dieses blecherne Geräusch treibt mich in den Wahnsinn. Da kommt natürlich obendrauf, dass ich nicht verstehe, warum es auf einmal für so viele okay geworden ist, ohne Kopfhörer rumzulärmen. Furchtbar!

In diesen Fällen muss ich die Flucht ergreifen und den Standort wechseln.

Sonst machen mir Leute nichts aus, nicht mal, wenn sie sich – wie kürzlich – unmittelbar vor mich hinsetzen, als säßen sie im Theater. Ich werde zwar nie verstehen, warum Leute fast auf Tuchfühlung näherkommen, wenn sie sehen, dass ich gerade übe (außer es sind Kinder). Aber okay. Sowas sehe ich als gute Übung, mich zu konzentrieren, obwohl jemand da ist.

Apropos Konzentration:

Musik, Podcasts oder Stille?

Da ich so gut wie immer mit Kopfhörer übe, habe ich experimentiert, wann ich was als störend und wann als hilfreich empfinde: Allerdings setze ich gezielt ein, was ich höre – es kommt immer darauf an, was ich übe:

  • Manchmal macht mich Musik eher hektisch, weil sie zu sehr treibt oder zu unruhig ist. Umgekehrt setze ich manchmal gezielt ruhiges Piano ein.
  • Dann ist natürlich der Rhythmus maßgebend: Passe ich mich unwillkürlich dem Rhythmus an, obwohl das bei dem, was ich gerade tue, ungünstig ist, muss ich wechseln. Umgekehrt kann ich gezielt etwas auswählen, weil der Rhythmus sinnvoller Taktgeber ist, etwa manche Swing-Lieder fürs Jonglieren.
  • Podcasts höre ich gerne, wenn ich mich gezielt ablenken will. Also wenn ich bereits geübt habe, die Abläufe also kann und mir als zusätzliche Hirnaufgabe etwas zum Denken auf die Ohren gebe.

Das Einzige, wo ich Stille brauche, sind Über-Kopf-Trainings, beispielsweise der Kopfstand. Da geht es mir wie früher mit dem Einparken: Da stört mich Musik oder Gerede.

Umgebung unter die Lupe nehmen!

Was ich auch mit der Zeit gelernt habe: Immer den Boden genau unter die Lupe nehmen vorher. Beim Einradüben auf dem Fußballplatz können Scherben oder querliegende Holzteilchen stören. In der Wiese bin ich früher meinen davonfliegenden Requisiten immer nachgelaufen, bis ich unvermittelt in einem riesigen Erdloch umgeknickt bin und ein ungesundes Knack-kack-knack gehört habe. War zum Glück wohl nur eine Bänderdehnung, die mich einige Tage außer Gefecht gesetzt hat. Seitdem ist nichts mehr mit flottem Laufen! Immer gemütlich hinterher spaziert und auf den Boden geschaut.

Die meisten Hundebesitzer, die ich so treffe, sind echt super – sie achten auf ihre Hunderl, rufen rechtzeitig ab oder wissen, dass ihr Hund easygoing ist. Manche nutzen mich als unruhig hampelndes Trainingstool, während ihr Hund relaxt Sitz machen soll. Ich hatte, wie im alten Video gesagt, noch nie eine unschöne Begegnung mit einem Hund. Allerdings gibt es immer wieder welche, die die Hundescheiße nicht aufsammeln, und das ist natürlich ätzend, besonders wenn ein Hoop oder Jonglierball in frische Scheiße fallen würde.

 

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Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.