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Jonglieren, Teil 2

Vor zwei Jahren habe ich mir überlegt, ich könnte doch mal das Jonglieren anfangen. Allerdings bin ich nie ernsthaft drangeblieben. Der Grund: Ich habe keine richtigen Fortschritte gemacht. Und das, wo ich schon die minimalste Verbesserung als Fortschritt werte:

Wenn ich etwas eine Stunde übe und es von außen so aussieht, als ob es nicht besonders gut klappt, freue ich mich, weil ich weiß, ich habe an dieser einen Stelle was kapiert oder zwei Mal von 86 x nicht fallen lassen. Yay! Oft hat ein Fortschritt gar nichts mit klappen zu tun, sondern mit dem inneren Gefühl, etwa wenn der innere Stress, der anfangs oft vorherrscht, schwindet.

Da beim Jonglieren nicht merklich was voranging, habe ich mal ein bisschen geübt, dann wieder wochen- oder monatelang gar nicht. Noch im März habe ich gebloggt:

Vielleicht sind Bälle einfach nicht meins.

Tatsächlich bin ich seit meiner Kindheit davon überzeugt, dass ich alles, was mit Bällen zu tun hat, nicht kann. Das kommt nicht von ungefähr: Durch meine Augen-Konstellation kann ich nicht 3 D sehen. Ich schaue praktisch mit jedem Auge separat. Und ein einzelnes Auge sieht nur zweidimensional. Als kleines Kind habe ich sehr stark geschielt, und darum konnte ich die Entfernungen von Ball zu Händen oder Schläger nie richtig abschätzen. Die Folge: Ich war lausig bei allem, was mit Bällen zu tun hatte – außer der Ball kam schnurgerade auf mich zu.

Diese Überzeugung, dass ich „alles, was mit Ball zu tun hat“ nicht kann, hat sich immer wieder in den Vordergrund gedrückt, wenn das Jonglieren nicht voranging. Mei, das ist halt so. 

Dieses Video hat mir enorm geholfen!

Ich lerne die Dinge gern von vornherein richtig. Also habe ich geübt, wie man es in fast allen Tutorials gesagt bekommt: erst mit einem Ball, dann mit zwei Bällen, dann mit drei Bällen. Auch wenn das verhältnismäßig gut funktioniert hat, weil es beim Jonglieren hauptsächlich auf das Werfen ankommt und nicht das Fangen [wirft man richtig, landet der Ball automatisch in der Hand], ging dann nichts mehr voran. In fast allen Videos wird gesagt: Bleib ruhig stehen, wirf exakt und fang von vorne an, wenn du zu weit vor oder schief wirfst. Mach erstmal drei perfekte Würfe und dann versuch sechs Würfe.

Das hat bis zu einem gewissen Punkt geklappt. Gleichzeitig hat es mich blockiert, weil es langweilig war und so richtig exakt schrittweise, das habe ich partout nicht hinbekommen.

Zudem bin ich – wie anscheinend die meisten – teilweise an innere Sperren gekommen: Der bereits erwähnte innere Stress beim Werfen/Fangen oder auch eine Blockade, Bälle loszulassen. Diese Wurf-Hemmung wird in einigen Tutorials explizit erwähnt, ist also offenbar weit verbreitet, wenn es darum geht, mehrmals hintereinander zu werfen.

Da ich oft auf youtube nach Tutorials stöbere, um irgendeinen Kniff oder ein neues Detail aufzuschnappen, bin ich kürzlich auf dieses Video gestoßen.

Emmet Louis kenne ich von seinen Handstand-Tutorials und -Podcast, und bei seinem Video ist bei mir der Knoten geplatzt. Vor allem der Fortschritts-Motivations-Übenwollen-Knoten!


Die zwei Tipps sind:

  1. „Dont worry about catching the ball.“ Ich habe das Fangen komplett ignoriert und die ersten Tage immer laut throw, throw, throw, throw, … gesagt. So habe ich innerhalb weniger Tage den Stress aus dem Werfen geholt und mich daran gewöhnt, öfter hintereinander zu werfen.
  2. „Move around a little.“ Anstatt komplett stillzustehen und zu versuchen, exakt zu werfen, bin ich einfach mitgegangen. Wie Emmet Louis sagt: Mitgehen und dann sehen, was ein dauerhafter Fehler ist, um ihn erst dann zu korrigieren.

Das hat bei mir total die Schleusen geöffnet, und ich war praktisch auf Anhieb in der Lage, öfter zu werfen – was dazu geführt hat, dass ich auf einmal total wild aufs Üben war und fast jeden Tag eine halbe Stunde oder mehr trainiert habe.

Ein weiterer Tipp von Malik Haddadi hat meine Aufmerksamkeit auf meine Handgelenke gerichtet, sodass ich innerhalb kürzester Zeit das Nach-vorne-Werfen weitgehend korrigieren konnte: Ab Minute 1 erklärt er, was eigentlich logisch ist, wenn man nachdenken würde. Dass das Handgelenk zu weit gekippt wird.

Weil mich das Jonglieren auf einmal so begeistert, habe ich mir ein billiges Anfänger-Keulenset zugelegt. Ich liebe es ja, eine Fähigkeit mit verschiedenen „Geräten“ zu üben. So übe ich jetzt u. a. mit meinen Keulen, die ich noch viel besser finde als Bälle! Und schwieriger, weil sie nicht nur größer sind, sondern sich noch dazu um sich selbst drehen. Hier kann ich außerdem einiges nutzen, das ich vom Hoopen und von den Stäben kenne.

Natürlich musste ich direkt mal kombinieren. 🙂

Mittlerweile habe ich mein Werfen schon deutlich verbessert. Jetzt nur noch ein wenig mehr üben, dann sollte die Drei-Bälle-Kaskade sitzen. Yay!

Zwei Bälle in einer Hand

Veröffentlicht von

Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.