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Hand Balancing

Krähe

Als Kind konnte ich ziemlich gut ein Rad schlagen. Allerdings hab ich nie großartig Gymnastik gemacht und war im Sportunterricht meist im unteren Mittelfeld. Ich gehöre also leider nicht zu den Erwachsenen, die sich mal eben in den Handstand schwingen.

Beim Poledance haben wir dann gleich im Anfängerkurs den Kopfstand machen sollen, was ich völlig absurd fand. Aber mit Unterstützung der Stange geht das relativ einfach. Sonderlich sicher fand ich es allerdings nicht, da ohne einschlägiges Training und nötige Kraft da in den ersten Stunden gleich raufzuhebeln.

Rad und besonders der Handstand, das fasziniert mich seit einigen Jahren wieder, aber ich konnte es nie richtig trainieren, weil ich partout die Hüfte nicht über die Schultern bekomme. Alle Vorübungen gehen wunderbar, die Kraft hab ich, aber das Übereinanderstapeln geht nicht.

Darum habe ich die letzten Jahre immer mal einige Zeit geübt, dann die Lust verloren – und vor drei Wochen hab ich mir gedacht: „Das geht so nicht! Ich muss die Taktik ändern. Bei den Yogis nachschauen und von unten her arbeiten, damit ich irgendwann stark genug bin, hochzupressen.“ Ob ich das durchhalte, weiß ich nicht, aber ich probiere seit einigen Wochen, mich nach und nach hochzuarbeiten.

Da die starke, längere Belastung für die Handgelenke neu ist,

  • wärme ich mich natürlich gut auf, besonders für die Handgelenke mache ich einige spezielle Übungen, die in alle Richtungen bewegen/dehnen,
  • neben ein paar anderen Kräftigungs- und Flexibilitätsübungen übe ich maximal 5 x hintereinander einen möglichst sauberen Frogstand/die Krähe,
  • alle drei oder vier Tage ist Ruhetag.

Woche 1:

Damit man keine Angst haben muss, mit dem Gesicht nach vorne auf den Boden zu knallen, legt man ein Kissen oder eine Decke hin. Doch auch wenn ich rational wusste, dass nichts passieren kann, hat mein Hirn dennoch gebockt. Trotz Kissen habe ich mich partout nicht getraut, mich nach vorne zu lehnen.

Zum Glück habe ich dann ein Video entdeckt, das empfohlen hat, den Kopf zunächst auf einem Yoga-Block abzulegen. Damit gings:


Am dritten Tag brauchte ich den Block nicht mehr – es ging problemlos mit Kissen.

In der ersten Woche wurde ich weniger unsicher, konnte relativ schnell sogar kurz halten, ohne rauszufallen. Ich habe meist selbst kontrolliert abgebrochen.

Die ersten beiden Versuche waren immer die besten, da die Handgelenke sehr schnell müde wurden und etwas weh getan haben (aber nicht schmerzweh, nur beansprucht).

Woche 2:

In der zweiten Woche gab es einen deutlichen Sprung:

  • meine vier Versuche waren allesamt kontrolliert,
  • ich konnte fast immer gut halten und habe schon recht gut über die Finger und Hand ausbalanciert,
  • die Handgelenke waren weniger schnell müde,
  • ich habe viel mehr auf die einzelnen Aspekte der Haltung geachtet, zum Beispiel bewusst nach vorne geschaut, statt nach unten,
  • testweise habe ich ein paar Mal ganz ohne Kissen probiert, das war nicht mehr schlimm für mich. Denn erstens falle ich kaum noch raus und die wenigen Male, wo es passiert ist, habe ich meinem Hirn bewiesen, dass ich es verlangsamen/gut abfangen kann, also nicht mit dem Gesicht voran runterkrache.

Woche 3:

Die dritte Woche war durchwachsen:

  • Ich merke, dass ich viel mehr Kontrolle habe.
  • Allerdings war die Balance Tagesform. Zu Beginn meiner dritten Woche war Wochenende und ich war relaxt und hatte großartige Balance: Fast jeder Versuch hat extrem gut geklappt, ich konnte bis zu 10 Sekunden stabil halten und dann selbst abbrechen. Sogar der dritte und vierte (manchmal fünfte) Versuch gelang, wenn auch etwas kürzer. Die zweite Hälfte der Trainingswoche war sehr arbeitsreich, unausgeglichen und ich habe das Training eher „reingeschoben“, damit ich es nicht ausfallen lasse. Das hat meine Balance beeinträchtigt, es war einfach viel weniger Ruhe drin als Anfang der Woche.
  • Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass meine Kraft bereits jetzt deutlich besser ist. Die Handgelenke fühlen sich weniger strapaziert an. Ich konnte an den guten Tagen nicht nur länger halten, sondern habe mich „in sich“ stabiler gefühlt und teilweise schon höher gezogen, um ein kompakteres, höheres Päckchen zu sein. Ich mache natürlich drumherum ein wenig Kraft- und Mobilisationstraining. Das werde ich jetzt langsam etwas intensivieren. Ich will aber nicht zu viel an Training drumrumbauen, denn wenns zu viel wird, laufe ich Gefahr, dass ich es eher nicht machen will oder es mir nicht reinpasst.

weitere Fortschritte:

Über die Feiertage habe ich weniger geübt. Seit einer Woche wieder im alten Rhythmus.

Veröffentlicht von

Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.