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Der Reifen vorm (und im) Gesicht

Double Hooping bei greller Sonne

Als ich klein war, haben sie mich oft ins Tor gestellt. Weiß der Teufel, weswegen! Ich gehöre nämlich zu denen, die sich ducken und das Gesicht schützen, wenn ein Ball auf sie zufliegt.

Hier blendet mich einfach nur die Sonne, doch der Gesichtsausdruck ist treffend: Kommt der Reifen recht nah ans Gesicht, gibts reflexartiges Verhalten. Manchmal nur ein Zucken, Zukneifen oder eine Ausweichbewegung. Ist es ein schwerer Dancehoop oder kommt ein Reifen mit Schmackes aufs Gesicht zu, werden die Verteidungsgesten entsprechend größer und hektischer.

Natürlich gewöhnt man sich mit der Zeit.

Doch den Reflex zu überwinden, sich zu densensibilisieren, um total cool und im Rhythmus zu bleiben, das ist eine interessante Nebenaufgabe. Nicht nur, damit das Timing stimmt, sondern natürlich auch die Wirkung. Erst recht, wenn beim Hoopen was schiefgeht. Soll im Idealfall ja niemand merken …

„Voll in die Fresse!“

Tatsache ist: Beim Üben haut man sich den Reifen mitunter auf den Kopf oder schmerzhaft ins Gesicht. Das passiert einfach, weil der Hoop sich oft sehr nah am Kopf bewegt – und gerne mal auskommt.

Es gibt beispielsweise Würfe, bei denen man den Reifen entweder überm oder mit dem Körper fängt, also hochwirft und sich dann direkt unter den herunterfallenden Reifen stellt. Versemmelt man das Fangen, kracht einem schon mal der harte Reifen auf die Birne.

Den im Video gezeigten effektvollen Wurf kann man genauso vor dem Körper fangen, doch wenn man den Reifen zu früh zu sich herzieht, geht er voll auf die Nasenwurzel. Ich habe einige Male eine Übungssession unterbrochen, um ein Selfie von mir zu machen und auf Nasenbluten zu checken …

Das soll aber nicht schrecken! Es ist halt einfach so, dass man beim Üben mit „einem Ding“ Blessuren kriegen kann. Vor allem am Anfang, wenn oft unnötig Kraft und zu wenig Präzision mitspielen. Das ist eine weitere Sache, die mich immer wieder begeistert: Dass alles viel lockerer, langsamer und kontrollierter geht, was gleichzeitig viel besser aussieht.

Gegen den Instinkt

Eine besondere Herausforderung ist anfangs, den Kopf durch den kreisenden Reifen zu stecken. Instinktiv kommt es zum Zögern oder Zurückzucken. Selbst, wenn klar ist, dass das Loch zum Kopf-Durchstrecken groß genug ist und sowieso nicht viel passieren kann. Gerade die dünnen Polypro-Reifen sind ja sehr leicht und geben sogar etwas nach.

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Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.