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Das Gehirn und die Müdigkeit

Die eigentliche Arbeit beim Hooping macht, wie gesagt, das Hirn. Darum bleibe ich unter anderem mühelos seit zwei Jahren dran. Fast täglich.

Es ist wahnsinnig faszinierend, mit wie wenig Input das Hirn lernt und die Hand-Auge-Koordination samt Bewegungsabläufen stufenweise verbessert. Da kann man richtig zuschauen! Das gibt mir übrigens eine riesige Portion Geduld, die ich sonst so gar nicht habe. Denn ich weiß:

  • Der hakeligste Bewegungsablauf wird mit der Zeit gschmeidiger.
  • Und auch der schwierigste Trick wird irgendwann gehen.

Ich muss nur immer wieder mal zwischendurch einen entsprechenden Input geben und Hirn & Körper die Chance lassen, es zu checken.

Bei völlig neuen, komplexeren Bewegungen merke ich so richtig, wie es rattert. Beim Jonglieren lernen ist das beispielsweise extrem, weil gleich drei verschiedene Reifen – oder Bälle – im Blick behalten und koordiniert werden wollen.

Darum sind die ersten Versuche fast immer unnötig hektisch. Das Gehirn erfasst und gibt wild irgendwelche Befehle. Es kann noch nicht einschätzen, wie viel Zeit vorhanden ist, wie die Abläufe sind und in welcher Reihenfolge alles runterkommt. Die Motorik ist unbekannt – und ungeübt.

Es ist eine für mich sehr erhellende Erkenntnis, dass ich immer, wenn was nicht klappt, es verlangsamen muss. Was nicht immer leicht ist, denn der Reifen selbst braucht natürlich je nachdem, was er tun soll, die richtige Dosis „Antrieb“. Langsamer werden hat also seine Tücken, denn wenn es zu langsam wird, kann es sein, dass ein bestimmter Ablauf nicht funktionieren kann oder es sehr viel schwieriger ist.

Wenn das Gehirn schlapp macht

Wenn ich draußen übe, vergeht die Zeit immer wie im Flug. Ich höre Musik und meistens drille ich Tricks und Bewegungsabläufe, die ich in der Wohnung nicht üben kann, weil ich den Reifen zu oft fallen lasse oder mehr Platz brauche.

Das Interessante ist, dass mein Gehirn ziemlich genau nach einer Stunde müde wird, wenn ich etwas für mich Anspruchsvolleres trainiere. Ich werde unaufmerksamer, greife plötzlich daneben. Im ersten Jahr waren die Übungen sehr viel einfacher. Da war ich gerne mal zwei Stunden dabei, Basics zu üben, z. B. Weaves:

Die Bewegung ist simpel, und doch funktioniert das anfangs ganz und gar nicht so locker wie es hier aussieht. Auch da war das Hirn gut beschäftigt – hat aber wesentlich weniger Mühe gehabt und doppelt so lange durchgehalten wie jetzt.

„Sag mir, was ich tun soll! …

… und setz mich der Situation wieder und wieder aus.“

Ich bin kein Spezialist fürs Hirn, nur ein Nutzer. 😉 Doch ich staune täglich, wie unglaublich flott wir lernen. Ein weiterer Grund, warum ich so gerne und ausdauernd dabeibleibe.

Wenn ich nämlich nicht draußen trainiere, dann mache ich das meist in winzigen Einheiten tagsüber zwischendurch. Einfach einen neuen Bewegungsablauf zehn Minuten lang machen, während ich einen Podcast höre. Oder einen komplizierteren Trick auseinanderbrechen und mal nur den Anfang oder das Ende üben. Oder bei einem Standard-Trick zu variieren, wo und mit welcher Hand ich den Reifen „übernehme“.

Variationen sind fürs Gehirn ebenfalls sehr wichtig. Denn weil es so schnell und gut lernt, besser zu werden, wird es schnell mal zu routiniert. Das ist manchmal ganz schön schwierig, wenn bei einem eingeübten Ablauf beispielsweise immer die rechte Hand übernimmt – und jetzt soll die linke. Oder wenn der Fuß plötzlich einen Tick früher raus soll, als bisher.

Hier spielt die Reifengröße wieder eine große Rolle: Da kann was noch so super mit einem bestimmten Durchmesser klappen – mit einer anderen Größe verändern sich mehrere Parameter. Und schon ist das Hirn wieder gefordert, die nötigen Anpassungen zu machen.

Darum übe ich – ebenfalls zwischendrin – immer alle möglichen kleinen Variationen, was dann einen anderen sehr lustigen Effekt hat: Dass mein Gehirn versucht, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen. Der Körper kommt dann entweder nicht nach und stoppt verwirrt. Oder ich mache gleichzeitig zwei verschiedene Bewegungen, die überhaupt nicht zusammengehören. Make up your mind! 

Natürlich: rechts und links

Eine große Herausforderung ist und bleibt die dominante und die schwache Seite. Selbstverständlich trainiere ich immer beides. Ich habe schon Horrorgeschichten beim Polen und beim Hoopen gehört, wo Leute immer nur die stärkere – für sie einfachere – Seite trainiert haben. Abgesehen davon, dass es die Möglichkeiten limitiert, wird man buchstäblich einseitig, was bei Bewegung nie eine gute Idee ist, weil der Körper dann natürlich einseitig beansprucht und belastet wird.

Da ich das immer schon gemacht habe, auch früher in Aerobic-Stunden, fällt mir das relativ leicht. Aber je nach Bewegung ist es natürlich eine deutlich größere Herausforderung. Besonders das Körpergefühl + die damit verbundene Geschmeidigkeit ist natürlich deutlich anders.

Kürzlich hab ich in einem Jongliervideo, das ich jetzt leider nicht mehr zuordnen kann, den guten Tipp gehört: Üb immer doppelt so viele Wiederholungen mit der schwachen Hand.

 

Veröffentlicht von

Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.