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Contemporary Dance

Fürs Hoopen wollte ich gezielt in Contemporary Dance – Zeitgenössischer Tanz/Modern Dance – reinschnuppern, und zwar aus zwei Gründen:

  • Es gibt weniger starre Choreographien (auch wenn man die natürlich machen kann), aber es geht mir eher darum, aus mir heraus und vor allem raumgreifender zu tanzen.
  • Das sehr elegante, ökonomische Tanzen auf Leveln, vor allem, um vom Stehen auf den Boden zu kommen und umgekehrt.

Zum Beispiel so:

Jetzt ist das natürlich anfangs alles nicht so einfach, geschweige denn schick. Von dem Anfängerwochenende bei der VHS erwartete ich mir ein paar Impulse und einige Grundtechniken, mit denen ich beim Hoopen experimentieren kann.

Wie es mir gefallen hat und was ich so mitnehme aus diesen 2 x 3 Stunden:

Den Körper mehr zusammenhängend tun lassen

Natürlich hängen wir zusammen, aber natürlicherweise alles „mitzunehmen“, sind wir im Alltag nicht gewöhnt. Dazu kommt, dass ich zwar mein ganzes Leben lang immer irgendwie nebenbei aktiv war (Fitnessstudio, Bootcamp, hier und da mal einige Zeit tanzen), aber das meiste war eher dominiert von isolierten Bewegungen. Jetzt der Arm von da nach da, jetzt das Bein … Beim Contemporary Dance will viel mehr vom Körper mitmachen, nur als Anfänger verhindert man das eher. Außerdem geht alles: Ich kann eine Bewegung mit der Hand einleiten, dem Kopf, der Hüfte, dem Fuß, oder oder oder – und dann den Rest folgen lassen.

An diesen beiden Tagen haben wir Grundbewegungen sehr oft wiederholt, und schon nach kurzer Zeit ist der Unterschied spürbar. Es fühlt sich nicht nur alles viel freier an, sondern sieht ganz easy und lebendig aus.

Gewicht verlagern

Das geht Hand in Hand mit dem „alles mitnehmen“: Wenn ich mein Gewicht bewusster verlagere, und zwar so richtig, verändert sich nicht nur die Optik, sondern ich gewinne viel mehr Kontrolle. Nicht zuletzt, weil ich Balance ermögliche.

Das ist ein besonderes Übungsfeld für mich, erst recht mit Reifen, denn die eigene Dynamik [ob um die eigene Achse, mit oder gegen das Drehen des Hoops und auf verschiedenen Ebenen] verändert immer sofort das Verhalten des Reifens.

Eines der Dinge, die ich beim Hoopen besonders faszinierend finde, ist, dass man meistens mit zu viel Schwung startet und daher dann auch unnötig hektisch ist. Egal bei welchem Trick: In der Regel ist genau das Gegenteil angesagt: langsamer werden.

Schwung mitnehmen und sich mitnehmen lassen

Schwung kann verschieden dosiert sein. Dabei ist es möglich, aber nicht unbedingt nötig, großartig mit Macht oder Geschwindigkeit reinzugehen.

Alleine mit dem Hintern auf dem Boden zu sitzen, die Beine angewinkelt vor sich aufgestellt und dann mit etwas Schwung auf eine Hand + ein Bein gestützt zur Seite zu gehen, war so ein Aha-Effekt: Der Körper und eigentlich „schwere“ Hintern wird total leicht, wenn man wirklich mit dem Schwung mitgeht. Was einerseits etwas mit gezielter Anspannung, andererseits mit Loslassen und natürlich mit Timing zu tun hat.

 

Wir haben außerdem diverse Sprünge geübt, was alle drei Aspekte perfekt vereint. Das ist nebenbei bemerkt eine wunderbare Stärkung der Knöchel- und Fußmuskulatur (war ja alles barfuß) + ich sehe schon die Möglichkeiten, die sich daraus bei fortgeschrittenem Hoopen ergeben.

Aus sich rausgehen

In das Wochenende bin ich mit einem 50:50-Gefühl gegangen, denn das konnte entweder supergut werden – oder furchtbar.

In meinem Fall hatte ich Glück: Es war eine sehr nette, gemischte Gruppe und die Trainerin, Bea Kucza, ist sehr locker, motivierend und hat Fragen begrüßt – was ich ja immer liebe. Der lichtdurchflutete Raum in der neuen Münchener VHS an der Einsteinstraße ist ebenfalls wunderbar.

Umfeld und vor allem die Leute, das ist bei solchen Workshops schon immer sehr wichtig, denn es soll Spaß machen + jeder soll sich frei genug fühlen, aus sich rauszugehen, ohne Hemmungen oder das Gefühl, was falsch zu machen.

Ich bin da schon seit längerem relativ schmerzfrei. Das war nicht immer so!  Sondern erst, seit ich mir vor einigen Jahrzehnten angewöhnt habe, mich bei Sport- und Tanzstunden nach vorne zu stellen. Am Anfang habe ich es nämlich gemacht, wie so viele: Mich möglichst in der letzten Ecke versteckt. Doch das ist genau das Falsche. Meistens gibt’s zu wenig Platz und man sieht vor allem nicht genug. Da will ich alle ermutigen, die diese Tendenz ebenfalls haben: Geh vor! Mach! Ohne Rücksicht auf Verluste. – Alles, was mit Bewegung zu tun hat, fühlt sich viel besser an, wenn man aus sich rausgeht, und besser aussehen tuts außerdem.

Was der Körper können kann

Ich habe zwar in meinem Leben immer wieder – mal kürzer, mal länger – was mit Choreographien und Tanz gemacht, aber ich bin von Natur aus kein Tänzer.

Letztlich gilt, wie so oft: Technik, Technik, Technik. Und üben, üben, üben, bis der Körper geschmeidig + ökonomisch vorgeht.

Ich habe einigen sehr guten Input an diesem Wochenende bekommen, den ich jetzt beim Hooping bewusst einbringen will, damit mehr Dance ins Hoopdancen kommt.

 

Veröffentlicht von

Ich habe mein ganzes Leben lang etwas gesucht, das ich so gerne mache, dass ich mich nicht dazu aufrappeln muss. Jetzt hab ichs gefunden.